Das erste Lebensjahr eines Welpen ist entscheidend für seine spätere Gesundheit. In dieser sensiblen Phase entwickelt sich das Immunsystem, und grundlegende Schutzmaßnahmen wie die Grundimmunisierung und regelmäßige Entwurmungen spielen eine zentrale Rolle. Für viele frischgebackene Hundehalter wirken Impfschemata zunächst komplex.
Dieser Guide bringt Klarheit: Wann muss geimpft werden? Wie oft muss der Welpe entwurmt werden? Und was kostet die Vorsorge?
Inhaltsübersicht
- Warum Impfungen und Entwurmung so wichtig sind
- Das Immunsystem & die "Impf-Lücke"
- Core vs. Non-Core: Welche Spritze muss sein?
- Tabelle: Impfplan im ersten Lebensjahr
- Entwurmungsschema für Welpen
- Mögliche Nebenwirkungen
- Häufige Mythen & Fakten
- Kosten & Verantwortung
- Fazit
Warum Impfungen und Entwurmung so wichtig sind
Welpen kommen mit einem noch unreifen Immunsystem zur Welt. In den ersten Lebenswochen erhalten sie zwar über die Muttermilch einen gewissen Schutz (sogenannte maternale Antikörper), dieser nimmt jedoch ab der 6. bis 8. Woche rapide ab. Genau in dieser Übergangsphase sind Impfungen essenziell, um gefährliche und teils tödliche Infektionskrankheiten zuverlässig abzuwehren.
Auch Parasiten wie Spulwürmer oder Hakenwürmer stellen gerade für junge Hunde ein ernstzunehmendes Risiko dar. Sie können das Wachstum verzögern, die Verdauung stören und das Immunsystem schwächen – was wiederum die Wirksamkeit von Impfungen herabsetzen kann.

Das Immunsystem des Welpen verstehen
Das Immunsystem eines Welpen muss erst „trainieren“, um Krankheitserreger effektiv zu erkennen. Impfungen simulieren diesen Erstkontakt, sodass der Körper Antikörper bildet, ohne dass der Welpe die eigentliche Krankheit durchleiden muss.
Wichtig zu wissen: Zwischen dem Abbau der mütterlichen Antikörper und dem Aufbau des eigenen Schutzes besteht eine sogenannte „immunologische Lücke“. Genau deshalb reicht eine einzelne Spritze nicht aus – es sind mehrere Impfungen in festen Abständen (Booster) notwendig, um diese Lücke sicher zu schließen.
Welche Impfungen braucht ein Welpe?
Die Ständige Impfkommission Vet. (StIKo Vet) unterscheidet zwischen zwei Kategorien:
1. Core-Impfungen (Pflicht für jeden Hund)
Diese Impfungen schützen vor lebensbedrohlichen Erregern und sollten jeder Welpe erhalten:
- Staupe (S): Eine virale Infektionskrankheit, die Atemwege und Nervensystem angreift.
- Parvovirose (P): Hoch ansteckend, führt zu schwerem blutigen Durchfall und oft zum Tod bei Welpen.
- Leptospirose (L): Durch Bakterien (oft in Pfützen) übertragen, auch auf Menschen übertragbar (Zoonose).
- Hepatitis contagiosa canis (H): Ansteckende Leberentzündung.
- Tollwut (T): Tödlich und gesetzlich relevant, besonders für Reisen ins Ausland.
2. Non-Core-Impfungen (Individuell)
Diese sind abhängig von Lebensstil, Region und Kontakt zu anderen Hunden:
- Zwingerhusten: Empfohlen bei viel Hundekontakt (Hundeschule, Pension).
- Borreliose: Übertragung durch Zecken.
- Leishmaniose: Wichtig bei Reisen in den Mittelmeerraum.

Tabelle: Impfplan im ersten Lebensjahr
Der genaue Zeitplan wird mit dem Tierarzt abgestimmt. Ein klassisches Schema zur Grundimmunisierung sieht so aus:
| Alter des Welpen | Maßnahme | Impfung gegen |
|---|---|---|
| 8. Lebenswoche | 1. Impfung | Staupe, Parvovirose, Hepatitis, Leptospirose |
| 12. Lebenswoche | 2. Impfung | Staupe, Parvo, Hepatitis, Lepto + Tollwut |
| 16. Lebenswoche | 3. Impfung | Staupe, Parvovirose, Hepatitis (Abschluss Grundimmunisierung) |
| 15. Lebensmonat | 1. Jahres-Booster | Wiederholung aller Komponenten |
Hinweis: Damit der Tierarztbesuch entspannt abläuft, empfiehlt es sich, den Welpen schon früh an Berührungen und das Tragen eines weichen Halsbandes oder Geschirrs zu gewöhnen.
Entwurmung bei Welpen
Welpen infizieren sich fast immer bereits im Mutterleib oder über die Muttermilch mit Würmern. Da Würmer dem kleinen Körper Nährstoffe entziehen, wird hier sehr engmaschig behandelt.
Empfohlenes Entwurmungsschema
- Ab der 2. Lebenswoche: Alle 14 Tage entwurmen.
- Bis zur 12. Lebenswoche: Dieser Rhythmus wird beibehalten.
- Vom 3. bis 6. Lebensmonat: Monatliche Entwurmung.
- Ab dem 6. Monat: Je nach Infektionsrisiko (schnüffelt/frisst er viel draußen?) alle 3 Monate oder nach Bedarf (Kotuntersuchung).
Tipp: Viele Halter entscheiden sich ab dem Junghundalter alternativ für eine regelmäßige Kotuntersuchung beim Tierarzt, statt "blind" Tabletten zu geben.

Mögliche Nebenwirkungen
Moderne Impfstoffe sind sehr sicher. Dennoch arbeitet das Immunsystem nach der Spritze auf Hochtouren. Beobachten Sie Ihren Welpen 24 Stunden lang.
- Häufig: Müdigkeit, "Schlappheit", leichte Schwellung an der Einstichstelle (verschwindet meist nach wenigen Tagen).
- Selten: Kurzzeitiger Durchfall oder leichtes Fieber.
- Notfall (Sofort zum Arzt): Schwellung im Gesicht, Atemnot oder anhaltendes Erbrechen (allergische Reaktion).
Häufige Mythen & Fakten
Mythos: „Mein Welpe braucht keine Impfungen, wenn er nur im Garten ist.“
Fakt: Parvovirose-Viren sind extrem widerstandsfähig. Sie können diese über Ihre Schuhe oder Kleidung in den Garten tragen.
Mythos: „Entwurmung ist unnötig, ich sehe keine Würmer im Kot.“
Fakt: Wenn Würmer sichtbar sind, ist der Befall bereits massiv. Eier und Larven sind mit bloßem Auge nicht erkennbar.
Kosten & Verantwortung
Gesundheit hat ihren Preis, ist aber die wichtigste Investition in ein langes Hundeleben. Im ersten Lebensjahr sollten Hundehalter mit etwa 150–300 Euro für die komplette Grundimmunisierung und Entwurmungsmittel rechnen (abhängig von den GOT-Sätzen der Tierärzte).
Planen Sie diese Kosten fest ein – genau wie die Ausgaben für hochwertiges Futter und die Welpen-Erstausstattung.
Fazit
Ein lückenloser Impfschutz und regelmäßige Entwurmung sind das Fundament für ein gesundes Hundeleben. Der "Piks" beim Tierarzt ist weit weniger schlimm als die Behandlung einer lebensbedrohlichen Parvovirose. Ein klarer Plan gibt Sicherheit – so können Sie und Ihr Welpe die spannende Kennenlernzeit unbeschwert genießen.


























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